Läden als Anlaufstelle für die Onliner?

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Lokaler Einzelhandel als Anlaufstelle für Paketdienste?

Aktuell macht die Drogeriekette DM von sich reden und bietet an, künftig für alle, die es wollen, Lieferadresse für die Paketdienste zu sein. Kunden können sich ihre Pakete anstatt nach Hause in einen DM-Markt liefern lassen und dort während der Öffnungszeiten abholen. Dazu tragen die Online-Kunden die Adresse des DM-Marktes als Lieferaderesse ein. Das Angebot soll für die Kunden von DM kostenlos sein. Retouren sollen ebenfalls über diesen Weg abgewickelt werden können.

DM startet aktuell mit mehr als 150 Märkten in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit einem Test des Konzepts.

Für viele Kunden, die online kaufen, kann das ein erheblicher Vorteil sein. Wenn diese zu den Lieferzeiten der Paketdienste nicht zu Hause sind, brauchen sie danach nicht den verschiedenen Paketdiensten hinterherlaufen, sondern können ihre Pakete einfach im DM-Markt abholen.

Chancen für den lokalen Einzelhandel?

Mit dem Angebot bietet DM seinen eigenen Kunden einen Mehrwert und hat die Chance weitere Menschen in ihre Filialen zu bekommen und ebenfalls als Kunden zu gewinnen. Damit nutzt DM als stationärer Händler geschickt die Logistik-Probleme der Onliner für die eigene Entwicklung.

Wenn man das Konzept weiterdenkt, könnten sich daraus Chancen für stationäre Händler in entsprechend guter Lage oder auch ganze Innenstädte ergeben.

Ein gutes Beispiel für ein solches Konzept findet man mit „Posti Box“ in Helsinki. Posti-Box ist eine schön gestaltete Selbstbedienungs-Abholstelle, an der Online-Shopper online bestellte Pakete abolen können. Posti-Box bietet Umkleideräume und Möglichkeiten, eventuelle Rücksendungen gleich wieder zurück senden zu können.

Für die Paketdienste sollte das Modell interessant sein, denn es löst zumindest zu einem Teil das Problem der letzten Meile. Diese ist für die Paketdienste ein hoher Kostenfaktor, wenn sie mehrfach zustellen müssen weil Kunden nicht zu Hause sind. Je mehr Kunden ein solches Angebot nutzen, desto höher kann der Nutzen sein. Für die Paketdienste ist es einfacher, einen DM-Markt anfahren und dort mit einem Halt gleich eine ganze Reihe von Paketen loszuwerden – zudem der DM-Markt zu den üblichen Lieferzeiten auch geöffnet sein dürfte. Mehrfachauslieferungen sind dann nicht mehr notwendig. Auch die Umwelt profitiert davon.

Gute Idee?

Sicherlich wird man abwarten müssen, wie sich das Modell bei DM entwickelt. Für größere Handelsketten, aber auch für Citygemeinschaften und vielleicht auch für einzelne, lokale Läden könnten sich hier Chancen ergeben, Kunden in die eigenen Geschäfte zu locken, die sonst vielleicht nicht kommen würden.

Gleichwohl wird man die Entwicklung erst einmal beobachten müssen. Will man hier einsteigen, wird man eine entsprechende technische Infrastruktur für die Abwicklung der Logistikkette schaffen müssen. Oder Startups entdecken dieses Feld als Chance oder auch die Paketdienste selbst erstellen ein entsprechendes Angebot.

Insgesamt ist es ein schönes Beispiel dafür, wie sich lokale Einzelhändler mit den Problemen der vermeintlichen oder tatsächlichen Online-Konkurrenz neu positionieren und Vorteile für das eigene Geschäft entwickeln können.

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