Veränderungen des Einzelhandels von den 1980er Jahren bis heute

Frau mit Einkaufstaschen

Die technologische Entwicklung hat umfassende Veränderungen in den Lieferketten möglich gemacht, die den Einzelhandel komplett verändert haben. Kleine, aber auch große Einzelhändler litten und leiden unter den Veränderungen. Viele sind daran zu Grunde gegangen. Hinzu kommt, dass die Kunden die Technologie ebenfalls zu ihrem Vorteil nutzen und nun mit immer höheren Erwartungen an den Einzelhandel herantreten.

Ja, Geiz ist geil – und zwar weil es geht! Man muss tatsächlich nicht mehr so viel Geld für einzelne Produkte bezahlen, weil diese einfach nicht mehr so viel kosten (müssen). Aber es geht auch gar nicht nur um den Preis. Es geht auch um Bequemlichkeit. Warum soll man in verschiedenen Läden die gewünschten Dinge zusammen suchen und nach Hause transportieren, wenn es doch online und vom heimischen Sofa so viel einfacher geht?

Hinzu kommen jede Menge neuer Serviceversprechen. Die Kunden fragen sich, warum sie nicht auch im stationären Einzelhandel die Produkte zu Hause ausprobieren und bei Nichtgefallen einfach wieder zurückgeben können. Wie bei Amazon & Co.

Damit hat sich der Einzelhandel insgesamt – und damit auch die Rolle des lokalen Einzelhandels – massiv verändert und wird sich weiter verändern. Darauf muss man sich einstellen und ggf. sein Geschäft „neu erfinden“ wenn man weiterhin am Markt bestehen will. Das funktioniert auch. Viele Positivbeispiele zeigen auf, was man tun kann.

Wichtig ist aber, die Veränderungen zu analysieren, zu verstehen und richtig einzuordnen. Das ist die Voraussetzung, für die eigene Situation die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Lassen Sie uns aus diesem Grund gemeinsam einen Blick auf die Entwicklung in den letzten 4 Jahrzehnten werfen. Wenn man versteht, was sich wieso entwickelt hat, ist es einfacher mit neuen Konzepten darauf zu reagieren.

Der klassische Offline-Laden

Im klassischen Ladengeschäft bis ungefähr zur Mitte der 2000er Jahre gab es ein begrenztes, aber sofort verfügbares Produktangebot. Zu den jeweiligen Öffnungszeiten konnten die Kunden hier einkaufen. Der Händler hatte eine gewisse „Macht“, denn die Kunden konnten nur kaufen, was von den Händlern angeboten wurde. Dafür konnten die Kunden Services in Anspruch nehmen. Ob die Reparatur technischer Geräte oder aber kürzere Ärmel oder längere Hosenbeine – der lokale Handel wurde oft von Profis ihres Faches geführt, die diese Arbeiten fachgerecht ausführen konnten.

Händler waren Experten für den Einkauf. Sie wussten, was sie wo zu welchem Preis einkaufen konnten. Ihr Einkauf, der ggf. sogar nur wenige Male im Jahr stattfand, wurde dann eingelagert und über die Saison verkauft.

Die Preise waren für die Kunden intransparent. Ohne den schnellen Vergleich per mobilem Internet konnten schon im Nachbarort ganz andere Preise aufgerufen werden. Für den Händler bedeutete das oft gesunde Margen.

Der „klassische“ Online-Shop

Die Onlineshops haben sich Mitte der 2000er Jahre bis heute entwickelt. Ein bezahlbarer, schneller und mobil nutzbarer Internetzugang war dafür die Voraussetzung. Online kann man heute alle Produkte der Welt kaufen. Wo sich ein Shop oder wo sich ein Kunde befindet, spielt keine Rolle mehr. Auch Öffnungszeiten spielen praktisch keine Rolle mehr – die Online-Einkaufswelt hat 24 Stunden geöffnet, sieben Tage die Woche. Online einzukaufen ist für Kunden attraktiv. Deswegen kaufen immer mehr Kunden immer mehr online. Diese Umsätze fehlen dem Offline-Handel und dessen Margen geraten unter Druck.

Klassische Services fallen im Onlinehandel weg. Dafür gibt es neue wie ein einfaches Umtauschrecht auf vielen Plattformen, die kostenfreie Rücksendung etc.

Da jeder überall schauen kann, was die selben Produkte bei anderen Händlern kosten, besteht eine hohe Preistransparenz. Kunden können schnell prüfen, wo das selbe Produkt noch günstiger zu erwerben ist und kaufen eben dort. Onlineshops versuchen dem zu entgegnen, indem sie mit dynamischen Preise arbeiten. Der Preis für ein und das selbe Produkt variert automatisiert je nach Tageszeit, Besucher etc.

Grafik Gegenüberstellung Offline - Online - Omni-Channel
Übersicht: Dynamische Entwicklung im Einzelhandel

Omni-Channel – Die Zukunft?

Aktuell und für die Zukunft zeichnet sich ein Nebeneinander aus Offline, Online und ggf. weiteren Kanälen als neues Modell für den Einzelhandel ab. Das wird und kann für jede Branche und jeden einzelnen Händler sehr unterschiedlich aussehen. Positionierung und das Einstellen auf die eigenen Kunden werden der Schlüssel für den Erfolg werden. Das bedeutet auch, dass die Goldgräberstimmung der Onlineshops endet, denn auch deren Geschäftsmodell greift in vielen Bereichen zu kurz

Das Ziel ist, die Vorteile aus beiden Welten für den Kunden zu verknüpfen. Das Modell könnte so aussehen, dass der Kunde im lokalen Ladengeschäft Waren auswählt, sie in die Hand nehmen kann, prüft, anprobiert und sie dann bestellt. Die Lieferung erhält er dann bequem nach Hause geliefert. Das ehemals einkaufsgetriebene Geschäftsmodell wird zum kundengetriebenen Geschäftsmodell. Der Kunde, seine Wünsche und seine Erwartungen stehen im Mittelpunkt – der Kunde hat in Zukunft die Einkaufs-Macht.

Der Einzelhandel kann mit einem solchen Modell ein viel größeres Produktangebot machen, als es sonst auf der Ladenfläche möglich wäre. Der Händler wird zum Einkaufsberater und neben den Produkten, kann der Kunden auch umfangreiche Services dazu buchen. Innerhalb der Öffnungszeiten sind die Berater erreichbar, außerhalb der Onlineshop.

Der Einkauf im lokalen Ladengeschäft wird für den Kunden zum Erlebnis. Er erhält nicht nur einfach Waren verkauft sondern er erhält Anregungen für deren Einsatz und Nutzung. Ob das nun modische Outfits inklusive Schuhen und zugehörige Accessoires sind, das Kaffeeefachgeschäft mit Kaffeebaar und angeschlossener Rösterei oder das Elektrofachgeschäft, in dem man den neuen Fernseher kaufen kann und gleich lernen kann, wie man diesen in sein Smart Home einbindet.

Ist Omni-Channel nun das Ende?

Omni-Channel zeichnet sich aktuell als nächste Entwicklungsstufe ab. Aber die Entwicklung wird weitergehen und wir werden erleben, wohin. Die aufgezeigte Entwicklung soll keinesfalls bedeuten, dass nun jeder Offline-Laden unbedingt auch seinen Online-Kanal braucht.

Es wird immer auch Läden geben, die keinen Online- oder keinen Offlinebereich brauchen. Wichtig ist vor allem, dass sich der Einzelhandel klar positioniert und sich auf die Kunden und deren Wünsche und Bedarf einrichtet. Je besser dies gelingt, umso besser werden die Geschäfte wieder laufen.

Denken Sie darüber nach, wie Sie den Einkauf bei Ihnen attraktiver machen. Was können Sie tun, damit Kunden sich besser fühlen, gut behandelt werden, nicht nur ein „Auftrag“ sind sondern Mensch und Kunde etc. Alles das hat auch seinen Wert und Kunden werden den Preis dafür gerne bezahlen.

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